Musik und Utopie in Frankfurt

Die Ausstellung Musik im Leben der Völker 1927

Im Sommer 1927 konnte man in Frankfurt für ein paar Wochen den Eindruck gewinnen, in der Weltgeschichte würde sich nun doch alles zum Guten wenden. In der Festhalle wurde nichts weniger als eine bevorstehende neue, moderne und bessere Zeit beschworen, in der die Völker der Welt friedlich und im Geiste gegenseitigen Verständnisses zusammenleben. Das war umso bemerkenswerter, als gleichzeitig andere Zeitgenossen lautstark die Überlegenheit der eigenen Nation postulierten. „Musik und Utopie in Frankfurt“ weiterlesen

Hessisches Kulturgut – Das Frankfurter Kreuz

Das Kreuz mit der Vorfahrt

Von Verkehrsregeln hielt man in Hessen immer wenig. Zur Zeit der Pferdefuhrwerke, Kutschen und Handkarren wurden Vorfahrt, Geschwindigkeit und andere offene Fragen stets vor Ort und verbal geklärt, wozu dem Einheimischen ein blumiges Potpourri an Beschimpfungen, Beleidigungen und üblen Nachreden zur Verfügung stand.

Die Auseinandersetzungen wurden in der Regel mit großer Vehemenz geführt – nicht zuletzt da die eingebrachte Leidenschaft als entscheidend für den Ausgang des Verfahrens galt – und dauerten nicht selten Stunden, manchmal gar Tage. Es würde nicht wundern, wenn ein detailversessener Historiker eines Tages herausfinden würde, dass einzelne Fälle von strittiger Vorfahrt oder des Haltens an ungünstiger Stelle vom Vater auf den Sohn und weiter auf die folgenden Generationen vererbt worden sind. Goethe hat beides, schleppend sich hinziehende Gerichtsverfahren und Verkehrsbehinderungen, auf den Punkt gebracht: „Hessisches Kulturgut – Das Frankfurter Kreuz“ weiterlesen

Goethe als jugendlicher Liebhaber – Teil 1: Kätchen

Welche Wonne! – Welcher Schmerz!

Das sei einer von diesen Augenblicken, schreibt der junge Goethe im November des Jahres 1767 stark erregt an seinen Freund Ernst Wolfgang Behrisch, legt den angefangenen Brief dann aber beiseite und schneidet sich eine Schreibfeder, um sich zu beruhigen. Eine Stunde später, die Uhrzeiten sind auf dem Brief notiert, vermeldet er, sein Blut liefe nun stiller, er könne ruhiger reden. „Ob vernünftig? das weiß Gott. Nein, nicht vernünftig.“ Und in der Tat, es folgt eine recht wirre Geschichte, in der wir Goethe als rasenden Liebhaber erleben. Überhaupt beginnt nun ein mehrjähriges Trauerspiel, in den Hauptrollen Johann Wolfgang, nebst Katharina, Friederike und Charlotte. Seine Bemühungen hinsichtlich der genannten Protagonistinnen verliefen jedenfalls in allen Fällen verdrießlich und für den jungen Mann zweifellos verwirrend. Aber der Reihe nach. „Goethe als jugendlicher Liebhaber – Teil 1: Kätchen“ weiterlesen

Frankfurter Polemik

Hartnäckiger Widerspruch und rechthaberisches Beharren gehören seit über 1200 Jahren zu Frankfurt wie Handkäse und Gesottenes vom Schwein. Diese unnachgiebig streitlustige Haltung lässt sich zum einen zurückführen auf die regionale Eigenheit, nur die eigene Meinung gelten zu lassen: Der Gedanke, den Standpunkt eines anderen auch nur in Erwägung zu ziehen, gilt als zutiefst unhessisch und kommt daher eo ipso nur in seltenen Ausnahmefällen zur Anwendung. Doch während man es im restlichen Hessen gerne dabei bewenden lässt – bevor man sich aufregt, ist es einem lieber egal – pflegt man in Frankfurt zudem eine veritable Streitkultur, die ihren Ausdruck vorzugshalber in ausgiebigem Ramentern, wüsten Beschimpfungen und unhaltbaren Beschuldigungen findet. „Frankfurter Polemik“ weiterlesen