Der Hirscheber – Zum 160. Geburtstag des Frankfurter Zoos

… und ein Plädoyer für die Wiederanschaffung eines Babirusas

Ein Hirscheber ist … nein, nicht das was man sich vorstellt. Geweihe im üblichen Sinn spielen eindeutig keine Rolle. Lange Beine schon eher, aber auch das ist relativ – für ein Schwein sind die Beine eindeutig lang, für einen Hirsch wären sie lächerlich kurz. Kurz, die Ähnlichkeit mit einem Hirsch erschließt sich nicht wirklich, zumal ein Hirsch üblicherweise nicht über lange obere Eckzähne verfügt, die die Rüsseldecke durchstoßen, und dann, da die Zähne sich nach hin­ten biegen, sehr unpraktisch wie­der in die Rüsseldecke und damit in das Tier zurück wachsen. Die fatalen Folgen dieser dentalen Eigenwilligkeit beschrieb einst im Frankfurter Zoo ein Schild  mit den Worten »Selbstmord auf Raten«. Das klingt ein wenig vorwurfsvoll, suggeriert es  doch, der Hirscheber (oder Babirusa, wie er im Frankfurter Zoo genannt wird) als solcher sei des Lebens überdrüssig und wolle sich durch die skurrile Fehlbildung ein sicheres Ende berei­ten. Nichts könnte falscher sein, denn auch wenn man dem Tier eine gewisse lethargische Anmutung nicht absprechen kann, strahlt es doch eine tiefe innere Zufriedenheit aus wie kaum ein anderes Geschöpf. „Der Hirscheber – Zum 160. Geburtstag des Frankfurter Zoos“ weiterlesen

Dostejewski, das Glück und 40 Orangenbäumchen

Zum 150. Geburtstag des Frankfurter Palmengartens

Alles verzockt, dann Schulden gemacht, schön weitergespielt und natürlich wieder alles verloren. Dann frustriert nach Hause gegangen, die Frau angebrüllt, die Polizei auch und früh um fünf mit Schnaps und Kopfschmerz ins Bett. Und schließlich mit Hilfe der Frau nochmal das Ruder herum und sich selbst am Riemen gerissen und den Karren auf den letzten Drücker aus dem Dreck gezogen.

Das kommt auch dem einen oder anderen Hessen bekannt vor, wobei sich dann konkret meist alles um den Daddelautomaten in Sylvie’s Bierstubb, die Hartz-IV-Kohle und das triste Dasein in einem Plattenbau am Stadtrand dreht – und es mit dem Ruderherumreißen bevor alles den Bach runter geht dann manchmal doch nicht klappt. Wie man mit ein wenig mehr Stil alles verzockt, dabei noch weltberühmt wird und zudem noch zum Aufbau eines botanischen Gartens beiträgt, das kann der Hesse vom Russen lernen: „Dostejewski, das Glück und 40 Orangenbäumchen“ weiterlesen

Musik und Utopie in Frankfurt

Die Ausstellung Musik im Leben der Völker 1927

Im Sommer 1927 konnte man in Frankfurt für ein paar Wochen den Eindruck gewinnen, in der Weltgeschichte würde sich nun doch alles zum Guten wenden. In der Festhalle wurde nichts weniger als eine bevorstehende neue, moderne und bessere Zeit beschworen, in der die Völker der Welt friedlich und im Geiste gegenseitigen Verständnisses zusammenleben. Das war umso bemerkenswerter, als gleichzeitig andere Zeitgenossen lautstark die Überlegenheit der eigenen Nation postulierten. „Musik und Utopie in Frankfurt“ weiterlesen